Der bedürftig-abhängige Archetyp

Aktualisiert: 21. Juni


Merkmale

Stellt sich selbst als hilflos und überfordert dar, und delegiert direkt oder indirekt, verbal und meist nonverbal die Lösungsfindung, Entscheidung oder Hilfeleistung. „Ich bin schwach und hilflos. Alleine schaffe ich das Leben nicht!“ Der Appel reicht von nonverbaler Miene der Bedürftigkeit bis hin zur deutlichen Forderung.

Bild: Peggy_Marco@pixabay


Beweggrund

Die frühkindliche Erfahrung kann sein, dass jeder Ansatz zum Entdecken der eigenen Fähigkeiten im Keim erstickt wurde - „ich mach das, du kannst das nicht!“. Daraus resultiert ein geringes Selbstvertrauen. Möglich ist aber auch das genaue Gegenteil – also ein Vernachlässigen des Kindes, das viel zu früh auf sich alleine gestellt, und somit einem Gefühl der grenzenlosen Verlassenheit ausgeliefert war.


Interaktion

Die appellartige Grundbotschaft ist „hilf mir!“ Dies geschieht aber oftmals in sehr kraftvoller Weise, eben als direkte Selbstkundgabe „alleine schaffe ich es nicht“ oder aber auch als Beziehungsbotschaft „Du bist stark und nur du kannst mir helfen!“. Der direkte Appell „hilf mir“ beinhaltet oftmals aber auch einen mehr oder weniger aggressiven Vorwurf, wenn der direkte Appell nicht gleich die erwünschte Wirkung zeigt.


Dem verlockenden Ruf des bedürftig-abhängigen Archetyps „du bist stark und kompetent“ kann man sich kaum entziehen. Der Helfer im Menschen wird aktiv und dieser kann so seine Stärken ausleben. Dies hilft dem Helfer dabei, nicht auf seine hilfsbedürftige Seite schauen zu müssen. Der Helfende darf seine starke Seite ausspielen. Für den Moment scheint alles in Ordnung und beide passen gut zueinander.


Mit der Zeit bekommt der Bedürftige mit jeder Hilfestellung das Gefühl einer erneuten Kränkung seines Selbstwertes. Die aufkommende Wut richtet sich also gegen den Helfer – also der Person, die ihn unterstützen möchte. Der Helfer hingegen bekommt das Gefühl der Überlegenheit und er bekommt mit der Zeit Mitleid. Es entsteht ein zweiter Teufelskreis, denn der Helfer zieht sich zurück, und dabei trifft er den Bedürftigen an seinem wunden Punkt. Dieser fühlt sich alleine gelassen. Er verstärkt seine Anstrengungen, was den Helfer nur dazu bringt, sich noch weiter zu entfernen.


Entwicklungspotential

Wenn der bedürftig-abhängige Archetyp beginnt anstatt einem „ich kann nicht…“ ein „ich will nicht…“ zu verwenden, kommt dies nicht nur der Wahrheit näher, sondern es führt zu einem veränderten Bewusstsein.

Vielmehr kann er anstatt einem globalen „Hilf mir, und mach du das für mich!“ die erwünschte Hilfe präzisieren. „Ich habe ein Problem das so und so aussieht und ich würde dich bitten, dass du dir meine Gedanken dazu anhörst. Ich würde gerne deine Meinung dazu hören und dich bitten, in dem konkreten Fall zu helfen.“ Es geht dabei um eine spezifische, anstatt einer globalen Bitte.


Die Entwicklungsrichtung würde von der Verleugnung der Selbsthilfekräfte zu Autonomie und Verantwortung wechseln.


Das Positive

Der bedürftig-abhängige Archetyp gesteht sich ein, dass er Hilfe benötigt. Anders als die verbleibenden Archetypen sieht er die Chance in der Annahme von Hilfe durch Andere. Wenn er gelernt hat, dass ein globaler Hilferuf kaum zum Ziel führt, und er sich dadurch abhängig vom Helfer macht, besteht die Möglichkeit zu Wachstum.

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