Der distanzierte Archetyp (Teil 2)

Distanzpartner und Nähepartner

Ich möchte mich in diesem Beitrag der Interaktion zwischen einem Diastanzpartner und einem Nähepartner widmen.

Vorab gilt es festzuhalten, dass mancher Partner aufgrund seiner mitmenschlichen Behandlung auf Distanz geht. Dies hat in dem Fall wenig mit einem Distanzpartner zu tun.

Vielmehr stehen sich ein Distanzpartner und ein Nähepartner in einer Liebesbeziehung gegenüber.

Bild: peggy_marco@pixabay


Die Teufelskreise

Der erste Teufelskreis ist sehr einfach erklärt. Der Distanzpartner ist aufgrund seiner Ängste abgrenzend, reserviert und kühl und zieht sich zurück. Dadurch fühlt sich der Partner abgewiesen und verletzt. Er fühlt sich arrogant behandelt und verhält sich entsprechend. Er möchte mit so einem Menschen nichts zu tun haben, und strahlt wiederum eine Zurückhaltung und eine Feindseligkeit aus. Dadurch fühlt sich der Distanzpartner nicht willkommen, gemieden und unwohl. Er grenzt sich ab und zieht sich zurück.


Neben diesem klassischen Teufelskreislauf gibt es einen weiteren sehr dynamischen zweiten Kreislauf von Nähe und Distanz. Wir gehen davon aus, dass in Jedem von uns beide Bedürfnisse - Nähe und Distanz - vorhanden sind.


In der Anfangsphase einer Beziehung – der Phase der Verliebtheit, ist diese bestimmt vom Wunsch nach Nähe. Nach und nach meldet sich bei einem der beiden Partner der Wunsch nach etwas Distanz. Es wird ihm zu eng, und die ständige Nähe macht ihn nervös. Er möchte sich diese Gefühle aber nicht eingestehen, bzw. diese Gefühle nicht direkt kommunizieren. Der Partner merkt aber intuitiv, dass sich das Gegenüber in gewisser Weise abwendet. Dies führt dazu, dass sich leichte Ängste des Verlassenwerdens melden. Nähemenschen, wie zum Beispiel der bedürftig-Abhängige, der Helfende oder der Selbstlose haben diese Verlassensängste schon von vornherein in sich stark ausgebildet. Da das Gegenüber schon für Distanz sorgt, spürt der Nähemensch dieses Bedürfnis nach ein bisschen mehr Distanz in sich nicht. Da er nach wie vor vorrangig ein Gefühl von Nähe verspürt, und er seine Ängste besänftigen möchte, wird er sich um den Partner bemühen. Der Distanzierte fühlt sich verfolgt und seine Angst vor der Anhängigkeit und der Angst vor Selbstverlust tritt in Kraft. Dies wird seinen Wunsch nach Abstandsvergrößerung verstärken. Der Nähemensch fühlt sich nach einer Zeit abgekämpft, zermürbt und in seinen Gefühlen erkaltet. Er gibt auf, distanziert sich und wendet sich ab.


Nun bekommt der Distanzierte seinen inneren Gegenpol, also das Verlangen nach Nähe, übermächtig zu spüren. Und so kommt der Kreislauf wieder in Gang, nur mit vertauschten Rollen.


Konfliktpotential:

Der Focus des Nähepartners ist auf das Gegenüber gerichtet und sobald sich der Abweisende abwendet, wird ihn der Nähepartner damit konfrontieren. D.h. es kommt zum Bitten oder aber auch zu massiven Forderungen, bis hin zum Vorwurf der Beziehungsunfähigkeit. Dies führt natürlich beim Distanzierten zum Rückzug, was den Nähepartner massiv zusetzt. Dies geht sogar so weit, dass sich dieser selbst aufgibt – „Wie muss ich mich verhalten, dass mich der andere bemerkt?“


Dies verstärkt beim Partner wiederum Unbehagen und Abwehr, und dies zeigt darin, dass dem Distanzpartner all die negativen Kleinigkeiten am Nähepartner auffallen. Z.B. wie er isst, wie er riecht, wie er spricht, wie er sich kleidet oder schminkt, etc., Dies wird nicht nur als Grund für die Distanz anführt, sondern von ihm auch so empfunden. In Wahrheit ist dies ein Ausdruck seiner Angst. Hält der Distanzpartner dem Nähepartner diese Kleinigkeiten vor, so verstärkt sich der Teufelskreis weiter.


Ein weiteres Konfliktpotential bietet das „darüber reden“. Der Nähepartner verspürt das dringende Bedürfnis darüber zu reden. Der Distanzpartner kann und will nicht darüber reden, denn dann müsste er sich in Kontakt und Nähe begeben und das kann er nicht mit sich vereinbaren. Weiter müsste er über sich selbst Auskunft geben, und dessen ist er sich sehr oft selbst nicht gewahr – er weiß es oft schlichtweg selbst nicht!


Für den Nähepartner und für den Distanzpartner gibt es jeweils Empfehlungen, wie sie aus dem Teufelskreis ausbrechen können, bzw. wie sie diesen Teufelskreis idealer Weise verhindern und das Konfliktpotential bewältigen können..


Entwicklungspotential:

Als erstes gilt, dass das Erkennen des Teufelskreises schon ein Potential zur Bewältigung birgt. Auch die Liebe hat Kinderkrankheiten, und so darf man mit frischer Tatkraft ans Werk. Sollte sich dieser Teufelskreis über Jahre hinwegziehen, können folgende Empfehlungen hilfreich sein:


Für den Nähepartner gilt, dass er nicht mir dem Beziehungsohr, sondern mit dem Selbstkundgabeohr hören soll. Das bedeutet, dass die abweisende Distanz und die beleidigenden Worte nichts mit einem selbst zu tun haben. Dies ist keine Botschaft, dass man unattraktiv oder nicht liebenswert wäre, sondern das ist die Selbstkundgabe der Angst des Distanzpartners.


Manches Weglaufen des Distanzpartners ist unter Umständen ein Anlaufnehmen. Um letztendlich in die Zielgerade einlaufen zu können, muss der Distanzpartner vielleicht unter Umständen noch einen inneren Parkour überwinden.


Auf jeden Fall sind auf beiden Seiten Psychoanalysen zu vermeiden. Ebenso gilt für beide, dass man nicht nach seiner eigenen „Gebrauchsanweisung“ denken soll. Der Nähepartner benötigt, falls es ihm schlecht geht, Nähe und das Gespräch. Während der Distanzpartner hingegen Abstand und Ruhe benötigt.


Unter keinen Umständen sollte der Nähepartner sich für den Distanzpartner verbiegen, sich selbst verleugnen, und das eigene Handeln auf den Partner abstimmen. Er sollte sich auf jedem Fall treu bleiben.


Als letzten Punkt gilt, dass er sich seines Eigenwertes bewusst wird. Dass er die Möglichkeiten, das Leben zu meistern und zu genießen erkennt und umsetzt. Dies ist der einzige Schritt, denn er nur für sich selbst tun kann, und dies ist auch der einzige wirkliche Entwicklungsschritt für den Nähepartner.


Der Distanzpartner ist angehalten dass der Partner, der die Nähe sucht und ihn vielleicht sogar einengt, dies vom ihm delegiert bekommen hat. Auch er trägt diesen Wunsch in sich, genauso wie der Nähepartner, da er jedoch dies an ihn abgegeben hat, wird der Distanzpartner dies aktuell nicht so intensiv spüren.


Dem Distanzpartner muss bewusst werden, dass die Unattraktivität des Nähepartners nicht zu einem Distanzbedürfnis führt, sondern dass sein Distanzbedürfnis diese Unattraktivität hervorruft.


Wenn der Distanzpartner Kontakte als anstrengend empfindet, dann kann es durchaus daran liegen, dass er sich zu wenig abgrenzen kann. Daran sollte er unbedingt arbeiten und notfalls externe Hilfe in Anspruch nehmen.


Auf jeden Fall – und das gilt für beide – ist es notwendig miteinander zu reden. Den Nähepartner wird dies leichter fallen, als dem Distanzparter, aber eine einsilbige Distanziertheit ist für den Nähepartner unerträglicher, als eine unbequeme Auseinandersetzung. Notfalls sollte sich das Paar externe Hilfe hinzuziehen, und eine Paarberatung aufsuchen.


Auch für den Distanzpartner gilt, dass nur er für sich selbst einen Entwicklungsschritt machen kann, indem er sich das Kapitel „Entwicklungspotential“ des Teil 1 zu Herzen nimmt.


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